Philipp Pohns Gutachten ist eine raumspezifische Arbeit, die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt. Im Hauptraum befinden sich zwei Haufen aus Schredderschnipseln, die ineinanderfließen – der größere aus geschreddertem Dokumentenmaterial, der kleinere aus den ebenfalls separat geschredderten Ordnerrücken inklusive Metallkomponenten. Die Dimension des Materialgebirges ist beeindruckend. Der Gewölbekeller verstärkt diesen Eindruck. Die Haufen nehmen den Raum so weit ein, dass man geradeso an beiden Seiten vorbeigehen kann.
Aus dem größeren Papierschnipselhaufen schaut der Stiel einer Heugabel heraus. Unter dem kleineren liegt eine Schubkarre begraben, von der nur noch die Henkel zu sehen sind. An der gegenüberliegenden Wand lehnt ein Holzrechen. Die ursprüngliche Funktion dieser Landwerkzeuge, kombiniert mit dem geschredderten Material, erzeugt die Lesbarkeit der Schnipselberge als Heuhaufen. Die Werkzeuge sind sowohl gestalterische Elemente, die in Kombination mit den Heuhaufen ein eigenes, ästhetisches Gleichgewicht schaffen, als auch Arbeitsgeräte, mit denen man einen solchen Haufen bewegen würde.
Vom Hauptraum aus sieht man durch einen Bogen in einen zweiten, völlig dunklen, langen Raum. Am Ende dieser Dunkelheit leuchtet ein Röhrenfernseher. Auf dem Bildschirm läuft eine VHS- Aufnahme: zwei ältere Männer sitzen oberkörperfrei in der Sonne auf einer Bank vor schneebedecktem Alpenpanorama und machen sich ein Bier auf. Sie genießen das Leben. Zwischendrin putzen sie sich die Zähne an einer Trinkwasserquelle und spielen später in einer Bergstube Kniffel. Der Kleidung und des Charakters der Aufnahme nach zu urteilen stammt das Tape aus den Neunzigern. Man versteht nicht wirklich, worüber gesprochen wird, bekommt aber einen Eindruck von einem bestimmten Lebensgefühl.
Philipp Pohn’s “Gutachten” is a site-specific installation composed of multiple elements. In the main room there are two mounds of shredded material that flow into one another; the larger made of shredded document paper, the smaller made from separately shredded binder spines, including metal components. The scale of this “mountain” of material is striking, intensified by the vaulted cellar. The piles occupy the space so fully that you can only just pass along both sides.
From the larger pile, the handle of a pitchfork protrudes. Beneath the smaller mound a wheelbarrow is buried, with only its handles still visible. A wooden rake leans against the opposite wall. The original function of these farming tools, combined with the shredded matter, makes the mounds legible as haystacks. The tools operate both as formal elements creating their own aesthetic balance with the “hay” and as instruments one would actually use to move such a pile.
From the main room you look through an arch into a second room: long, completely dark. At the far end a CRT television glows. On screen, a VHS recording plays: two older men, shirtless in the sun, sitting on a bench before a snow-covered Alpine panorama with an open beer. They are enjoying life. In between they brush their teeth at a water fountain, and later you see them playing Yahtzee in a mountain lodge. Judging by the clothing and the characters of the footage, the tape is from the 1990s. You don’t really understand what is being said, but you gain a sense of a specific atmosphere and way of life.